Benigne Prostatahyperplasie (BPH) – Symptome, Diagnose, Prognose, Ursachen & Behandlung

Was bedeutet Prostatahyperplasie?

Wenn ein Patient unter Prostatahyperplasie leidet, dann ist seine Prostata vergrößert, wodurch es zu Problemen beim Wasserlassen kommen kann. Denn das vergrößerte Prostatagewebe kann Druck auf den anliegenden oberen Abschnitt der Harnröhre ausüben. Eine Prostatahyperplasie kann bösartig (Prostatakrebs) oder gutartig sein.

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Was ist benigne Prostatahyperplasie?

Die gutartige Vergrößerung wird auch benigne Prostatahyperplasie (kurz: BPH) oder benigne noduläre Hyperplasie genannt. Der ICD-Code für diese Krankheit ist N40. Meistens wird diese Erkrankung diagnostiziert, nachdem sich der Mann über Beschwerden beim Wasserlassen beklagt. Im Alltag kann sie die Lebensqualität und daher das psychische Wohlbefinden des Patienten sehr stark beeinflussen. Die meisten Männer leiden an leichten bis mittelschweren Beschwerden, auf welche sie sich im Alltag noch relativ gut einstellen können. Im Laufe der Zeit verschlechtert sich der Gesundheitszustand jedoch, wodurch es in der Regel immer wieder zu wiederkehrenden Infektionen im Harnweg kommt. Lebensgefahr besteht bei der benignen Prostatahyperplasie, im Vergleich zur malignen Version (Prostatakrebs), jedoch i.d.R. nicht. Die Zunahme der Zellzahl ist auch nicht so unkontrolliert und aggressiv wie bei Prostatakrebs und das vermehrende Gewebe wächst auch nicht in benachbarte Gewebestrukturen hinein. Metastasen (Tochtergeschwulste) können sich, im Vergleich zum Prostatakrebs, bei der benignen Prostatahyperplasie nicht bilden.

Häufigkeit von BPH

BPH ist stark altersbedingt und die häufigste urologische Krankheit der in Deutschland lebenden Männer. Zwischen den 50- und 59-jährigen Männern sind nur ca. 20 Prozent davon betroffen. Bei Männern über 70 liegt die Wahrscheinlichkeit bereits bei 70 Prozent. 90 Prozent der über 80-Jährigen leiden an einer benignen Prostatahyperplasie. Obwohl die Erkrankung sehr häufig auftritt, ist diese Erkrankung nur bei ca. 20 Prozent der Betroffenen so gravierend, dass Therapiebedarf besteht.

Diagnose

Der Patient schildert dem Arzt ein oder mehrere Symptome, die für BPS (benignes Prostata-Syndrom) typisch sind. Die Intensität der Beschwerden und deren Einfluss auf die Lebensqualität des Patienten helfen dem Arzt bei der Diagnose und der Entscheidung über weitere Maßnahmen. Der Arzt leitet dann in der Regel weitere körperliche Untersuchungen ein. Eine Prostatahyperplasie ist meist eine gutartige Erkrankung, die häufig altersbedingt ist. Dennoch sollte der Arzt eine bösartige Erkrankung so gut es geht ausschließen können.

Tastuntersuchung (Digital-rektale Untersuchung)

Selbst wenn ein Mann keine Beschwerden hat, sollte er trotzdem ab dem 45. Lebensjahr regelmäßig eine Prostata-Untersuchung machen lassen. Die Tastuntersuchung ist Teil dieser Vorsorgeuntersuchung. Für viele Männer ist diese Untersuchung unangenehm, da die Prostata mit dem Finger abgetastet wird. Der Arzt kann hier lediglich eine Vergrößerung feststellen. Die Art der Erkrankung kann er damit nicht beurteilen. Die DRU dient daher nur zur Orientierung und hängt auch stark von der Erfahrung des praktizierenden Arztes ab.

Laboruntersuchung

Laboruntersuchungen von Blut und Urin können bei der Diagnose einer benignen Prostatahyperplasie helfen. Eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen in Blut und Urin deuten auf eine entzündliche Erkrankung hin. Das Blut kann auch auf Substanzen getestet werden, welche normalerweise im Harn ausgeschieden werden (z. B. Kreatinin). Ein erhöhter Anteil dieser Stoffe deutet auf Urämie und eine beeinträchtigte Nierenfunktion hin.

Uroflowmetrie

Die Uroflowmetrie misst bei der Miktion die Dauer der Entleerung und die Kontinuität und Kraft des Harnstrahls. Ein gesunder Harnfluss sollte anfangs und zum Ende hin schwächer sein als beim Mittelpunkt. Bleibt die Kraft konstant, so deutet dies auf auf eine Prostatahyperplasie hin.

Ultraschall

Die Ultraschalluntersuchung kann helfen, die Ausprägung und damit das Stadium der Erkrankung festzustellen, indem sie es ermöglicht die Restharnmenge des Patienten zu bestimmen.

Stanzbiopsie

Liegen nach den oben genannten Untersuchungsmethoden immer noch unklare, unstimmige oder widersprüchliche Ergebnisse vor, die nicht alle auf eine BPH hindeuten, so verordnen viele Ärzte eine Gewebeentnahme (sog. Biopsie). Die Trefferquote dieser Methode ist jedoch sehr gering. Dem Patienten wird 12 mal systematisch (d. h. ungezielt) in die Prostata gestochen. Die dünnen Nadeln stechen hierbei in den Mastdarm bevor sie das Prostatagewebe erreichen. Dadurch entsteht ein hohes Kontaminationsrisiko. Fäkalien können in den Blutkreislauf gelangen. Der Patient muss infolgedessen schon vor der Biopsie ein präventives Antibiotikum einnehmen.

mpMRT-Untersuchung in der Alta Klinik

Sind die bisherigen Ergebnisse nicht aufschlussreich, so führen wir in der ALTA-Klinik eine mpMRT-Untersuchung der Prostata durch, welche die Ursache der Erkrankung genauestens bestimmen kann. Die mpMRT-Untersuchung kann jedoch auch schon gleich als primäre Untersuchung nach der Feststellung von Beschwerden durchgeführt werden. Diese Untersuchung ist eine angenehmere, genauere Alternative zur Tast- und Ultraschalluntersuchung und ermöglicht es, eindeutig zwischen einer entzündlichen, gutartigen oder bösartigen Erkrankung der Prostata zu unterscheiden. In den ersten beiden Fällen wäre dann eine Biopsie zwecklos gewesen. Dank dieser Untersuchungsmethode können wir 50 Prozent unserer Patienten Biopsien und deren Risiken und Folgewirkungen ersparen. In der ALTA-Klinik lassen wir bei unserer MRT-Untersuchung doppelt so viele Sequenzen laufen, wie es das Standardprotokoll vorgibt, sodass wir selbst kleinste Gewebeveränderungen diagnostizieren können. Unseren Patienten wird im Vergleich zu den anderen Untersuchungen maximale Gewissheit geboten.

MRT der Prostata bei Hyperplasie

Die drei Stadien der benignen Prostatahyperplasie

Bei der Diagnose der benigne noduläre Hyperplasie kann die Erkrankung in drei Stadien unterteilt werden.

Stadium 1 – Das Reizstadium

Im sogenannten Reizstadium sind bereits unangenehme klinische Beschwerden, wie ein abgeschwächter Harnstrahl, ständiger Harndrang und frequentierter nächtlicher Harndrang bemerkbar. Im Vergleich zu den folgenden Stadien macht sich im ersten Stadium jedoch noch keine Restharnbildung bemerkbar.

Stadium 2 – Stadium der kompensierten Harnretention

Hier werden die im ersten Stadium beobachteten Symptome deutlich stärker. Ebenso verringert sich die Kapazität der Blase und die Restharnmenge weist ein Volumen zwischen 50 und 100ml auf.

Stadium 3 – Stadium der dekompensierten Harnretention

Dieses Stadium ist offiziell erreicht, sobald Beschwerden wie Harnverhalt oder eine Überlaufblase beobachtet werden. Vergrößerungen in diesem Stadium sind bereits so ausgeprägt, dass sie unter Umständen sogar die Niere beeinflussen können. Die Nierenfunktion verschlechtert sich und in besonders gravierenden Fällen kommt es zur Urämie (Urin im Blut). Es kann zu Komplikationen wie einer Ausstülpung der Blasenwand (sog. Blasenpseudodivertikel) oder einer Hydrophenose (eine Erweiterung des Nierenhohlsystems, wodurch eventuelle Nierengewebe zerstört wird) kommen.

Symptome der benignen Prostatahyperplasie

Der obere Teil der Harnröhre verläuft durch die Prostata. Dieser Abschnitt wird bei einer Vergrößerung eingeengt. Mediziner sprechen hierbei auch von einer obstruktiven Prostatahyperplasie. (Obstruktiv = Verschluss eines Organs)

Die Beschwerden, die bei einer Prostatahyperplasie auftreten können, sind auf diese Einengung zurückzuführen. Fast alle Beschwerden beeinflussen das Harnlassen (Miktion) des Mannes. Diese Symptome lassen sich in zwei Kategorien unterteilen: irritative und obstruktive Beschwerden. Außerdem kann es auch zu Störungen der Sexualfunktion kommen.

Obstruktive Miktionsbeschwerden bei BPH

Man spricht von obstruktiven Miktionsbeschwerden, wenn die Störungen bei der Entleerung der Blase durch die Einengung der Harnröhre verursacht werden. Zu dieser Kategorie zählen die folgenden Symptome:

  • unterbrochener Harnstrahl
  • abgeschwächter Harnstrahl
  • Pressen beim Wasserlassen
  • Restharngefühl
  • Nachträufeln
  • verzögerter Beginn beim Wasserlassen
  • Harnverhalt

Nächtlicher Harndrang

Wie kommen diese Symptome zustande?

Durch die Einengung der Harnröhre ist der Harnstrahl schwächer und wird teilweise unterbrochen. Dies verursacht auch einen verzögerten Beginn beim Wasserlassen. Obwohl der Mann den „Befehl“ zur Miktion gibt, dauert es eine gewisse Zeit bis die Miktion tatsächlich initiiert wird. Wenn die Verengung besonders stark ausgeprägt ist, kommt es eventuell auch zum kompletten Harnverhalt. Dann kann der Harn nicht mehr ausgeschieden werden. Dieser sammelt sich zunehmend an. Ab einem gewissen Punkt staut sich der Harn, bis dieser sogar die Nieren erreicht. Dies führt zu den schwerwiegendsten Komplikationen einer benignen Prostatahyperplasie.

Betroffene können ihre Harnblase wegen der Obstruktion der Harnröhre oft nicht mehr vollständig entleeren. Dadurch klagen viele Betroffene über ein Restharngefühl. Es ist dann auch wahrscheinlich, dass eine kleine Menge Urin ungewollt nach dem Wasserlassen nachtropft.

Irritative Miktionsbeschwerden bei BPH

Bei irritativen Miktionsbeschwerden handelt es sich um Symptome, die durch eine Reizung der Blase und des Blasenhalses (Blasenausganges) verursacht werden. Der Blasenhals ist der trichterförmige Bereich der Blase, welcher in die Harnröhre mündet. Die gesamte Blase wird von einem Muskel namens Detrusor umgeben. Zieht er sich zusammen, baut dieser Druck auf und die Miktion wird eingeleitet. Durch den von der BPH verursachten erhöhten Widerstand bei der Miktion wird der Detrusor immer mehr belastet. Dadurch kann sich die Struktur des Muskels verändern und es kann zu Reizungen kommen. Er reagiert dann zunehmend überempfindlich, was zu folgenden Beschwerden führt:

  • Frequentiertes Wasserlassen in relativ kleinen Mengen
  • Mehrfaches nächtliches Wasserlassen
  • Erhöhter Harndrang, den man nicht zurückhalten kann
  • In manchen Fällen: Schmerzen bei der Miktion

Die Ausprägung dieser Beschwerden variiert von Patient zu Patient sehr stark.

Sexualstörungen verursacht bei benigner Prostatahyperplasie

Beschwerden bzgl. Miktion sind sehr typisch für die benigne noduläre Hyperplasie, jedoch kann eine BPH auch zu Beschwerden führen, die die Sexualfunktion des Mannes beeinträchtigen. Einige Männer leiden dann zum Beispiel unter Impotenz (erektile Dysfunktion). Außerdem können Patienten auch unter einer verminderten oder schmerzenden Ejakulation leiden.

Komplikationen – Prostatahyperplasie

Komplikationen treten vor allem dann auf, wenn durch die Einengung der Harnröhre eine Blasenentleerung nicht mehr möglich ist. Dann kommt es zum Harnverhalt. Urin sammelt sich in der Harnblase immer mehr an und die Blase wird dann stark überdehnt. Es kommt zu einer sichtbaren Vorwölbung des Bauches und starken Schmerzen. Wer so eine Vorwölbung bemerkt, sollte dies als Notfalls betrachten und umgehend einen Arzt verständigen. Die Komplikationen können auch durch bestimmte Risikofaktoren zusätzlich gestärkt werden, wie zum Beispiel: Alkoholkonsum, lange Bettruhe, sexuelle Aktivität oder bestimmte Arzneimittel.

Neben häufigen Harnwegsinfekten und Blasensteinen führt eine unbehandelte BPH ggf. zu schwereren Komplikationen. Zu diesen zählen vor allem:

  • Überlaufblase mit Harnverhalt
  • Umbau der Blasenwand
  • Funktionsstörungen der Niere (Nierenstau und Nierenversagen)
  • Urämie
  • Hämaturie (Blut im Urin)

Prognose

Bei ca. 20-30 % der Patienten, bei denen BPH diagnostiziert wurde, wird nach 3 bis 5 Jahren ein Wachstum der Erkrankung verzeichnet. Bleibt eine benigne Prostatahyperplasie unbehandelt so schreitet die Erkrankung meist langsam voran. Dank der Einnahme von Medikamenten kann man diese Entwicklung oft stoppen und in manchen Fällen sogar umkehren. Reichen die Medikamente nicht mehr aus oder ist die BPH bereits zum Zeitpunkt der Diagnosestellung zu ausgeprägt, so hilft meist nur noch eine operative Behandlung.

Risikofaktoren, wie Übergewicht und Rauchen, erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer solchen Erkrankung. Mit Sport, regelmäßiger Bewegung und das Führen eines allgemein gesunden Lebensstils kann man eine Prostatahyperplasie am besten vorbeugen.

Benigne Prostatahyperplasie – Ursachen

Bei der Entwicklung einer Prostatahyperplasie können Hormone eine wichtige Rolle spielen. Jedoch sind weitere Ursachen der BPH noch nicht ausführlich geklärt. Die genauen Abläufe und Zusammenhänge, die zu einer benignen Prostatahyperplasie führen sind größtenteils noch unerforscht.

Hormone

Der männliche Hormonhaushalt spielt bei der Entstehung einer benignen Prostatahyperplasie eine wesentliche Rolle, denn die Entwicklung einer BPH setzt die Existenz von Testosteron voraus. Daher können zum Beispiel kastrierte Männer nie an einer benignen Prostatahyperplasie leiden, da sie keine Hoden haben, in denen sich Testosteron bilden kann. Es wird vermutet, dass Testosteron mit zunehmendem Alter dafür sorgt, dass die Übergangszone der Prostata wächst. Testosteron wird dabei in den Zellen der Prostata in Dihydrotestosteron (kurz: DHT) umgewandelt. Diese Umwandlung von Testosteron in Dihydrostestosteron wird durch ein Enzym namens 5α-Reduktase durchgeführt. Obwohl DHT nicht nur von Prostatazellen hergestellt wird, ist die Umwandlung in DHT Grundvoraussetzung für die Entwicklung einer benignen Prostatahyperplasie.

Es wird davon ausgegangen, dass auch Östrogene (die weiblichen Sexualhormone) bei der Entstehung einer BPH eine gewisse Rolle spielen. Auch Männer haben einen geringen Anteil an Östrogenen im Blut. Ebenso verfügen auch Frauen über eine geringe Konzentration an Androgenen, wie Testostern. Der Testosteronspiegel eines Mannes nimmt mit zunehmendem Alter ab, während der Östrogenspiegel gleich bleibt oder sich evtl. sogar erhöht. Es wird vermutet, dass die Zunahme an Östrogenen in Relation zum verringerten Testosteronspiegel die Bildung einer BPH fördert. Da sich Östrogene auch in Fettzellen bilden, ist eventuell ein starkes Übergewicht ein weiterer Risikofaktor einer BPH.

Genetik

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine BPH teils genetisch verursacht wurde ist höher, wenn eine Prostatahyperplasie bereits im (relativ) jungen Alter zu Problemen führt. Wenn bei einer BPH bereits vor dem 60. Lebensjahr operativer Behandlungsbedarf besteht, dann liegt die Wahrscheinlichkeit einer familiären, genetischen Ursache bei ca. 50 Prozent. Bei über 60 Jahren liegt hingegen nur bei ca. 9 Prozent der Fälle eine genetische Komponente vor.

Benigne Prostatahyperplasie Therapie – Was tun?

Stellt der Arzt die Diagnose „Benigne Prostatahyperplasie“, so genügt es in den meisten Fällen vorerst abzuwarten und den Fortschritt der Erkrankung regelmäßig zu beobachten. Bei einer BPH besteht meist erst Handlungsbedarf, wenn diese Beschwerden macht oder ein IPSS über 7 (International Prostate Symptom Score) festgestellt wird. Der IPSS ist ein Fragebogen mit acht Fragen, der vom Patienten schnell und leicht ausgefüllt werden kann. Eine Frage zur Lebensqualität und sieben Fragen zu Symptomen. Die Behandlungsmöglichkeiten für BPH lassen sich in medikamentöse und operative Therapien unterteilen. Generell beginnt man die Behandlung mit der Einnahme von Medikamenten. Operative Verfahren kommen in der Regel erst zum Einsatz, sobald sich der Gesundheitszustand verschlechtert, d. h. die Beschwerden werden intensiver, oder es kommt zu Komplikationen.

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Medikamente für benigne Prostatahyperplasie

Eine medikamentöse Behandlung ist meist ausreichend, solange sich die Erkrankung im 1. Stadium befindet oder nur eine leichte Form vom BPH im 2. Stadium festgestellt wurde. Hierbei kommen verschiedene Medikamentengruppen zum Einsatz, welche häufig auch kombiniert werden (sog. Kombinationstherapie)

Pflanzliche Arzneimittel (sog. Phytopharmaka):

Im deutschsprachigen Raum werden schon seit vielen Generationen pflanzliche Extrakte zur Behandlung leichtgradiger Beschwerden einer Prostatahyperplasie eingesetzt. Präparate auf Basis von bestimmten Heilpflanzen wie Sägepalmen, Roggen, Brennnesselwurzeln, Kürbissamen oder afrikanische Pflaumen haben sich hier besonders bewährt.
Die Wirkweise dieser Präparate variiert stark. Manche hemmen Enzyme, andere unterstützen den natürlichen Zelltod. Viele dieser Pflanzen enthalten zudem Substanzen, die eine antiandrogene Wirkung haben, d. h. sie hemmen die männlichen Hormone. Diese pflanzlichen Arzneimittel sind rezeptfrei erhältlich, da sie kaum Nebenwirkungen aufweisen und risikoarm sind. Deshalb bevorzugen viele Patienten die Einnahme dieser Präparate gegenüber den unten erwähnten Medikamenten. Jedoch ist die therapeutische Wirksamkeit der Sägepalme, des Arzneikürbisses etc. bislang noch nicht gründlich wissenschaftlich belegt worden. In den USA sind deswegen z. B. Phytopharmaka zur Therapie gegen BPH seit geraumer Zeit verboten. Es wird befürchtet, Patienten werden dadurch abgehalten ihre BPH genauer abklären zu lassen.

α-Blocker

Im Vergleich zu Phytopharmaka ist die Wirksamkeit von sogenannten α1-Rezeptorblockern (auch α1-Adrenorezeptorantagonisten genannt) genauestens belegt. Studien kamen zur Schlussfolgerung, dass die Einnahme α1-Blockern sowohl objektive Parameter verbessern, als auch subjektive Symptome des Patienten lindern kann. Innerhalb dieser Medikamentengruppe gibt es verschiedene Arzneimittel, die sich alle in Langzeitstudien als effektiv erwiesen haben. U. a. zählen hierzu: Tamsulosin, Terazosin, Doxazosin und Alfuzosin.

Die Einnahme dieser Medikamente entspannt die Muskulatur der Prostata und des Blasenhalses, dadurch werden die verschiedensten Beschwerden beim Wasserlassen effektiv gelindert. Im Kontrast zu anderen hier beschriebenen Medikamenten, die bei einer BPH verschrieben werden, wirken die α1-Rezeptorblocker relativ rasch (innerhalb von nur wenigen Tagen). Jedoch haben die Blocker keinerlei Einfluss auf die Entwicklung der Erkrankung, sie bieten eine rein symptomatische Therapie. Das bedeutet, dass sie nur genommen werden, um Beschwerden schnell und verlässlich zu lindern. Ernstzunehmende Komplikationen, wie verminderte Nierenfunktion, akuter Harnverhalt oder eine Verschlechterung bereits bemerkbarer

Symptome kann man mit dieser Medikamentengruppe nicht verhindern.

Die Therapie mit diesen Blockern eignet sich nur bei Patienten, die bereits unter Beschwerden im Bereich des unteren Harntraktes leiden, bei denen jedoch eine unmittelbare Verschlechterung der Erkrankung unwahrscheinlich ist. Patienten sollten sich in jedem Fall bei ihrem Arzt ausführlich über die möglichen Nebenwirkungen dieser Arzneimittel informieren. Denn wer diese einmal zu sich nimmt, wird sie in der Regel permanent einnehmen müssen. α-Blocker wurden ursprünglich als blutdrucksenkende Medikamente entwickelt. Dies erklärt unter anderem auch die Nebenwirkungen, die diese Medikamente auf das Herz-Kreislauf-System haben. Weitere potenzielle Nebenwirkungen der Medikamente sind: Schwindel, Schwellungen der Nasenschleimhaut, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit.

Medikamente

5-Alpha-Reduktase-Inhibitoren (5-ARI)

5-Alpha-Reduktase ist ein Enzym, das in diversen Organen unseres Körpers hergestellt wird. Dieses Enzym ist unter anderem für die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (die biologisch wirksamere Form von Testosteron) verantwortlich.

Medikamente der Gruppe 5-ARI, hemmen die DHT-Umwandlung in den Prostatazellen, wodurch die hormonelle Wirkung an der Prostata kontrolliert reduziert wird. Dadurch verkleinert sich die Prostata langsam. Der maximale Effekt dieser Behandlung ist frühestens nach 6 Monaten bemerkbar. Damit können 5-ARI im Vergleich zu α-Blocker direkten Einfluss auf den Fortschritt der Erkrankung nehmen. 

Die bekanntesten Arzneimittel dieser Gruppe sind Dutasterid und Finasterid. Beide reduzieren subjektive Beschwerden des Patienten. Dutasterid senkt zusätzlich auch noch den DHT-Spiegel im Blutkreislauf.

Wie immer führt die Senkung des Hormonspiegels zu unwillkürlichen Nebenwirkungen. In diesem Fall zu Sexualstörungen, wie weniger Ejakulationsvolumen, Erektionsstörungen und reduzierter Libido. Außerdem wurde festgestellt, dass die Einnahme von 5-ARI das Risiko für Diabetes und Blutfettstörungen erhöht. Vor der Behandlung mit 5-ARI sollte man gemeinsam mit dem Arzt die Heileffekte mit den möglichen Nebenwirkungen dieser Medikamente abwägen.

Falls man im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung einen PSA-Test durchführen lässt, sollte man den praktizierenden Arzt unbedingt auf die Einnahme von 5-ARI hinweisen. Denn durch die Verkleinerung der Prostata reduziert sich der PSA-Wert im Blut. Der PSA-Wert ist ein enorm wichtiger Marker, der in der Urologie zur Früherkennung von Prostatakrebs eine bedeutende Rolle spielt.

Kombinationstherapie (α1-Rezeptorblockern und 5-ARI)

Die Kombinationstherapie dieser Arzneimittel ist in vielen Fällen empfehlenswert, da sich die komplett unterschiedlichen Wirkmechanismen sehr gut ergänzen. Die α1-Blocker wirken rasch und verbessern subjektive Symptome. 5-ARI wirken langsamer, können aber den Fortschritt der Erkrankung entscheidend beeinflussen. Die Wirksamkeit dieser Kombination wurde in mehreren Studien belegt.

So wie die Wirkung ergänzen sich bei solch einer Therapie leider auch die Nebenwirkungen beider Medikamente. Falls ein Patient nur unter leichten Beschwerden leidet, kann sich der praktizierende Arzt ggf. dazu entscheiden, den Einsatz von α1-Rezeptorblockern nach ca. sechs oder neun Monaten zu beenden. Meist verschlechtern sich dann jedoch die subjektiv wahrgenommen Symptome. Nichtsdestotrotz ist die Kombinationstherapie eine effektive Behandlungsmöglichkeit für Patienten, bei denen eine Verschlechterung des Krankheitszustandes wahrscheinlich ist.

PDE-Hemmer (Phosphodiesterasehemmer)

Mit diesen Medikamenten wird das Enzym Phosphodiesterase gehemmt. Dadurch erzielt man einen ähnlichen Effekt, wie bei der Einnahme von 5-ARI. Die Muskulatur an der Harnröhre und Harnblase wird entspannt und das Wasserlassen wird erleichtert. Die PDE-Hemmer haben außerdem einen positiven Einfluss auf erektile Dysfunktion.

Anticholinergika

Diese Medikamente entspannen den Detrusor (Blasenmuskel) und werden eingesetzt, um den irritativen Symptomen der BPH entgegenzuwirken. Sind die obstruktiven Symptome des Patienten sehr ausgeprägt, dann sollte man den Einsatz von Anticholinergika sorgfältig überdenken, denn ein entspannter (und damit schwacher) Detrusor kann in diesem Fall eher kontraproduktiv sein.

Muskarinrezeptorantagonisten (MRA)

Diese Therapie kommt meist zum Einsatz, wenn das Restharnvolumen nicht zu groß ist und Beschwerden bei der Miktion bemerkbar sind. Es gibt fünf Muskarinrezeptoren. Die Muskarinrezeptorantagonisten hemmen vor allem die M3-Rezeptoren. Dadurch tragen sie zur Hemmung der Muskelbewegungen der Harnblase bei.
Die Wirksamkeit dieser Medikamente und die geringen Nebenwirkungen (z. B. Mundtrockenheit, Verstopfung oder Schwindel) wurden in diversen Studien bestätigt. Trotzdem fehlt bei Patienten, die eine hohe Restharnmenge aufweisen, noch die notwendige Erfahrung. Bei diesen Patienten werden MRA i. d. R. nicht eingesetzt.

Operative Verfahren bei benigner Prostatahyperplasie

Ab einem gewissen Punkt, wenn die Intensität der Symptome schon deutlich ausgeprägter ist, ist für Patienten der alleinige Einsatz von Medikamenten oft nicht mehr ausreichend. In diesem Falle ist eine operative Behandlung die einzige Lösung. Zur Therapie gegen BPH gibt es hier unterschiedliche Verfahren, die zum Einsatz kommen. Welche dieser Verfahren schlussendlich durchgeführt wird, hängt immer von der individuellen Situation ab, denn es gibt viele Faktoren, die Arzt und Patient bei dieser Entscheidung in Betracht ziehen müssen. Einige dieser Verfahren sind:

TURP (Transurethrale Prostatekomie)

Dies ist die Standard-Operationstechnik für die Behandlung von benigner Prostatahyperplasie. Ein Röhrchen, welches über eine Kamera und eine Metallschlinge verfügt, wird hierbei in die Harnröhre eingeführt. Mithilfe der Schlinge, durch die Strom fließt, wird das vergrößerte Gewebe der Prostata abgetragen.

TUIP (Transurethrale Inzision)

Falls die Prostata noch nicht zu stark vergrößert ist, kommt evtl. diese OP-Technik zum Einsatz. Das Prostatagewebe wird nicht entfernt. Das Gewebe zwischen der Prostata und dem Blasenhals wird eingeschnitten. Dadurch gewinnt die Harnröhre mehr Platz, was Beschwerden und Komplikationen lindert.

Offene Operation (Prostatanukleation)

Wenn die Vergrößerung der Prostata bereits sehr ausgeprägt ist, wird manchmal die BPH offen operiert. Hierbei öffnet der Chirurg die Blase und entfernt durch diesen Zugang die gesamte Prostata.

Fokale TULSA-PRO Behandlung in der ALTA Klinik

Generell empfehlen wir in der ALTA-Klinik immer eine medikamentöse Behandlung, sofern diese Heilungschancen verspricht. Bei gravierenden Vergrößerungen der Prostata bieten wir eine besonders innovative Behandlungsmethode an. TULSA-PRO (Transurethrale Ultraschall-Ablation) ist eine weltweit einzigartige HIFU-Behandlung, die mithilfe einer MRT gesteuert wird. Im Vergleich zu anderen operativen Behandlungen, bei denen die Prostata komplett entfernt wird und somit schwerwiegende Folgewirkungen, wie Impotenz und Inkontinenz verursacht werden, ist die TULSA-PRO Behandlung risikoarm, schmerz- und komplikationsfrei.

Der Zugang erfolgt verläuft hier über die Harnröhre. Die Behandlung begrenzt sich somit auf den Innenbereich. Der empfindliche Außenbereich der Prostata wird nicht beschädigt. Diese organerhaltende (fokale) Behandlungsmethode verkleinert die Prostata, indem sie überflüssiges Gewebe gezielt erhitzt und dadurch zerstört.

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