Impotenz: Definition, Ursachen und Behandlung

Auf einen Blick

  • Der Begriff Impotenz umschließt im weiteren Sinne mehrere Sexualstörungen, die den Geschlechtsverkehr und die Fortpflanzung betreffen.
  • Mögliche Ursachen hierfür sind Durchblutungsstörungen, Störungen des Nervensystems, Folgen von Operationen und Verletzungen, hormonelle Störungen, wie auch Fehlfunktionen bzw. Erkrankungen der Geschlechtsorgane. Nicht zu vernachlässigen sind außerdem psychische Ursachen (Stress, Ängste, Konflikte).
  • Für eine erste ärztliche Orientierung sind eine ausführliche Befragung und die Untersuchung der Geschlechtsorgane notwendig. Zusätzliche Schritte (z.B. Blutentnahme, Urinprobe, Phallografie, Spermiogramm) können in Abhängigkeit von den konkreten Beschwerden eingeleitet werden.
  • In erster Linie ist eine Behandlung der zugrundeliegenden Ursache notwendig. Darüber hinaus können patientenabhängig unterstützende Maßnahmen (wie eine Lebensstiländerung), Psychotherapie, medikamentöse oder hormonelle Therapien, wie auch operative Eingriffe angestrebt werden.

Was umfasst der Begriff Impotenz?

Impotenz (aus dem Lateinischen: impotentia – Unvermögen, Unfähigkeit) ist eine veraltete Bezeichnung, die im weiteren Sinne mehrere Sexualstörungen umfasst. Diese betreffen sowohl den Geschlechtsverkehr, als auch die Fortpflanzung. Hierzu zählt eine fehlende oder gestörte Versteifung des Penis bei sexueller Erregung (Impotentia coeundi bzw. erigendi), die Unfähigkeit zu einem Samenerguss (Impotentia ejaculandi), wie auch die Zeugungsunfähigkeit (Impotentia generandi). Bei der Frau wird zusätzlich das Unvermögen schwanger zu werden (Impotentia concipiendi) und eine Schwangerschaft auszutragen (Impotentia gestandi) unterschieden.

Paar liegt im Bett

Welche Ursachen können die unterschiedlichen Formen der Impotenz haben?

Daumen runter

Impotenz bei dem Mann

Die Impotentia coeundi bzw. erigendi bezeichnet eine seit mindestens sechs Monaten fehlende oder gestörte Erektion bei sexueller Erregung. Die Gründe hierfür können körperlicher und/oder psychischer Herkunft sein, wobei insbesondere jüngere Patienten von psychischen Ursachen (Versagensängste, Konfliktsituationen, Stress) berichten. Zu den körperlichen Ursachen zählen dabei Durchblutungsstörungen, Störungen des Nervensystems, Operations- oder Verletzungsfolgen und hormonelle Störungen.
Bei der Impotentia ejaculandi kommt es nicht zum Samenerguss, obwohl eine Erektion und ein Orgasmus erhalten sein können. Ursächlich ist meist eine Schädigung der Nervenfasern, die den Samenerguss herbeiführen. Dies kann beispielsweise als Folge von Verletzungen oder Operationen (bspw. am Rückenmark und Becken), Störungen des Nervensystems (z.B. Multiple Sklerose) oder hormoneller Störungen (wie bei Diabetes mellitus) auftreten.
Im Rahmen der Impotentia generandi kann es, obwohl eine Erektion und ein Orgasmus möglich ist, nicht zur Zeugung von Kindern kommen. Vorausgesetzt ist, dass trotz regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs innerhalb eines Jahres keine Schwangerschaft eintritt. Als primär wird dies bezeichnet, wenn eine Frau, die noch nie schwanger war, bzw. ein Mann, der noch nie ein Kind gezeugt hat, betroffen ist. Wenn die Beschwerden nach mindestens einer erfolgreichen Schwangerschaft bei der Frau bzw. Zeugung bei dem Mann geäußert werden, beschreibt man dies als sekundär. Dieser Form der Impotenz liegt meist eine Fehlfunktion der Hoden zugrunde, wodurch Spermien vollständig fehlen (Azoospermie), in der Gesamtanzahl vermindert (Oligospermie), weniger beweglich (Asthenospermie) oder auffällig geformt sind (Teratospermie).

Impotenz bei der Frau

Die Impotentia concipiendi bezeichnet die Unfähigkeit der Frau eine Befruchtung zu erreichen, was bei dem Mann der bereits erwähnten Impotentia generandi entspricht. Die Impotentia gestandi ist dadurch gekennzeichnet, dass eine Schwangerschaft nicht ausgetragen werden kann trotz prinzipiell vorhandener Fähigkeit zur Befruchtung. Zu den möglichen Ursachen einer Impotenz bei der Frau zählen Erkrankungen der Gebärmutter (beispielsweise Myome) und Gerinnungsstörungen (z.B. Antiphospholipid-Syndrom).

Wie lässt sich eine Impotenz feststellen?

In Abhängigkeit von der Form der Impotenz und des betroffenen Geschlechts stehen unterschiedliche Ebenen der medizinischen Abklärung zur Verfügung. Zunächst ist eine ausführliche Befragung notwendig um einen Überblick zu den urologischen bzw. gynäkologischen Vorerkrankungen und Operationen, Kinder- und Geschlechtskrankheiten, der Einnahme von Medikamenten und/oder Suchtmitteln, dem Zyklus und vorheriger Schwangerschaften, wie auch der psychischen/sozialen Situation und Partnerschaft zu gewinnen. Dieser erste Schritt hilft bereits um sich in Bezug auf die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen zu orientieren, wie bspw. einer neurologischen Abklärung im Falle von Nervenverletzungen. Anschließende kann eine gezielte körperliche Untersuchung z.B. Hinweise auf hormonelle Störungen geben. In allen Fällen sollte jedoch eine Untersuchung der Geschlechtsorgane erfolgen, welche bei Bedarf durch eine Ultraschalluntersuchung vervollständigt werden kann. Mithilfe einer Blutentnahme können zudem Hormonbestimmungen durchgeführt und Stoffwechselstörungen ausgeschlossen werden. Eine Urinanalyse liefert unter anderem Auskunft über das mögliche Vorliegen einer Impotentia ejaculandi. Im Falle von Beschwerden bei der Erektion kann zudem eine nächtliche Tumeszenzmessung bzw. Phallografie notwendig sein. Diese Untersuchung dient der Messung spontaner nächtlicher Erektionen und wird meist im Schlaflabor durchgeführt. Schließlich kann zur Abklärung der männlichen Fruchtbarkeit ein Spermiogramm erforderlich sein. Hierfür wird die Samenflüssigkeit bei der Ejakulation aufgefangen um die männlichen Spermien unter dem Mikroskop und im Labor zu untersuchen.

Wie kann eine Impotenz behandelt werden?

Frau zeigt was

Die Behandlung richtet sich nach der Art der Impotenz und der zugrundeliegenden Ursache. Wenn eine gezielte Therapiemöglichkeit zur Verfügung steht (z.B. Testosterongabe bei einem vorhandenen Testosteronmangel), kann diese in Anspruch genommen werden um die Beschwerden zu erleichtern. Im Allgemeinen wirkt die Anpassung des Lebensstils in Form von körperlichem Training, ausgewogener Ernährung, Alkohol- und Nikotinstopp vielversprechend. Als vorteilhaft erweist sich auch beispielsweise die Einstellung der Blutdruck-, Blutzucker und Blutfettwerte im Rahmen von Stoffwechselstörungen und Gefäßerkrankungen. Falls sich herausstellt, dass die Beschwerden durch die Einnahme bestimmter Medikamente verstärkt werden könnten, bietet sich nach ärztlicher Rücksprache eventuell ein Wechsel der Substanz oder eine Verminderung der Dosis an. Im Falle einer Impotenz in Bezug auf die Erektion können eine Psychotherapie und/oder mechanische Hilfsmittel (Penispumpe, Penisring), Medikamente (Phosphodiesterase-V-Hemmer, Schwellkörper-Autoinjektionstherapie) und operative Eingriffe (Penisprothese, gefäßchirurgische Maßnahmen) in Betracht gezogen werden. Im Falle einer Impotenz in Bezug auf die Fortpflanzung können bspw. Hormontherapien für die Frau oder eine künstliche Befruchtung (Intrauterine Insemination, In-vitro-Fertilisation, Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) zum Einsatz kommen.

Quellen

  • Basiswissen Urologie, Thomas Gasser, 7. Auflage (2019)
  • BASICS Urologie, Christoph Hammes, 5. Auflage (2022)
  • Urologie, Richard Hautmann, Jürgen E. Gschwend, 5. Auflage (2014)