Blasenkrebs (Harnblasenkarzinom): Symptome, Diagnose und Therapie

Auf einen Blick

  • Blasenkrebs (oder auch: Harnblasenkarzinom), entspricht einem bösartigen Befall der Harnblasenwand. Das einzige frühzeitige Anzeichen, das von Betroffenen geäußert wird, ist das schmerzfreie Vorliegen von Blut im Urin (Hämaturie).
  • Das Karzinom ist ein Krankheitsbild des höheren Alters und betrifft Männer häufiger als Frauen. Den größten Risikofaktor stellt dabei das Rauchen dar.
  • Für die Diagnosesicherung ist eine Blasenspiegelung mit der Entnahme einer Gewebeprobe unter Narkose notwendig.
  • In Abhängigkeit von der Ausdehnung des Karzinoms kann die Behandlung entweder minimal-invasiv oder in späteren Stadien nur noch radikal über die ganzheitliche Entfernung der Harnblase und der angrenzenden bzw. mitbefallenen Organe und Lymphknoten erfolgen. Der operative Eingriff geht dabei mit einer chemotherapeutischen Behandlung einher.

Was ist Blasenkrebs?

Blasenkrebs Illustration

Blasenkrebs, auch genannt Harnblasenkarzinom, bezeichnet eine bösartige Neubildung, die die Wand der Harnblase befällt. In Deutschland widerfahren dies etwa 50 Frauen und Männer pro 100000 Einwohner. In der Literatur wird beschrieben, dass das Krankheitsbild Männer bis zu viermal häufiger betrifft als Frauen. So entspricht bei Männern das Harnblasenkarzinom der vierthäufigsten Krebsneuerkrankung, während es bei Frauen an 12. Stelle steht. In der Altersspanne zwischen 60 und 80 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit daran zu erkranken am höchsten.

Was begünstigt das Auftreten von Blasenkrebs?

Blasenkrebs - Rauchen als Ursache?

Die Ursachen für das Auftreten eines Harnblasenkarzinoms sind bislang fraglich. Es gibt allerdings Risikofaktoren, die das Vorkommen begünstigen können:

  • Nikotinkonsum, welcher das Risiko um ein Sechsfaches steigert
  • Exposition gegenüber aromatischen Aminen (z.B. bei der Arbeit in der Leder-, Farb- oder Chemieindustrie)
  • Chronische Infekte der Harnwege beispielsweise im Zusammenhang mit einer Bilharziose, die einem Befall durch Parasiten der Gattung der Pärchenegel (Schistosomen) entspricht und primär in afrikanischen und arabischen Ländern von Relevanz ist
  • Harnaufstau (Urinstase) oder Restharn, d.h. nach dem Wasserlassen verbleibender Urin in der Harnblase

Was sind die Anzeichen für Blasenkrebs?

In der Regel bleiben die Betroffenen lange quasi symptomfrei und so liegt häufig allein Blut im Urin (Hämaturie) ohne jegliche Schmerzen vor. Anzeichen auf begleitende Beschwerden können auftreten, wenn z.B. die Harnröhre und Harnleiter mitbefallen sind. Dabei kann es durch das Hervorrufen einer Verengung bei den betroffenen Abschnitten des Harntrakts zu Beschwerden beim Wasserlassen in Form von erschwertem, schmerzhaftem Urinieren (Dysurie) und zu immer wiederkehrenden Harnwegsinfekten kommen.

Wie kann man Blasenkrebs feststellen?

Zunächst wird eine ausführliche Befragung durchgeführt um ein Bild von der Situation der Betroffenen zu gewinnen. Nach einer gezielten körperlichen Untersuchung erfolgt die Analyse einer Urinprobe und eine Blutentnahme. Darüber hinaus können erste bildgebende Verfahren eingeleitet werden, z.B. Ultraschall, CT und eine Kontrastuntersuchung der Niere und der ableitenden Harnwege (Ausscheidungsurogramm). Im Rahmen einer transurethralen, d.h. über den Weg der Harnröhre durchgeführten Spiegelung der Harnröhre und -blase (Urethrozystoskopie) kann der konkrete Verdacht auf ein Harnblasenkarzinom gestellt werden. Um die Diagnose zu sichern, ist allerdings eine kleine operative Maßnahme erforderlich. Dafür muss im Zuge der Spiegelung eine Gewebeprobe entnommen und histologisch, d.h. unter dem Mikroskop, angefärbt und betrachtet werden.

Wo können Metastasen auftreten?

Blasenkrebs - Rückenschmerzen

Über das lymphatische System kann das Harnblasenkarzinom in die Lendenlymphknoten streuen. Durch eine Streuung über das Blut können Metastasen in Knochen, Leber und Lunge auftreten. In einem fortgeschrittenen Stadium kann es daher z.B. zu Knochenschmerzen, Nachtschweiß, Fieber und Gewichtsverlust kommen. Diese Metastasen können mittels weiterer bildgebender Verfahren (CT-Untersuchung des Beckens, Röntgenaufnahme des Brustkorbs, Ultraschall des Oberbauchs, Knochenszintigrafie) bewertet werden.

Wie lässt sich Blasenkrebs behandeln?

Ohne eine sofortige Behandlung besteht die Gefahr einer zeitnahen Streuung des Karzinoms. Die Therapieentscheidung erfolgt dabei in Abhängigkeit von der Lage, Tiefe und Streuung des Harnblasenkarzinoms. Falls Lymphknoten mitbefallen sind, kommen Chemotherapeutika im Anschluss an den operativen Eingriff zum Einsatz (postoperativ). Wenn Muskeln mitbetroffen sein sollten, ist die Chemotherapie unbedingt bereits vor der operativen Maßnahme (präoperativ) einzubeziehen.

Minimal-invasive Therapie

Bei einem örtlich begrenzten, d.h. oberflächlichen Karzinom kann eine komplette transurethrale Entfernung des Karzinoms (TUR-B) erfolgen. Im Anschluss an die operative Maßnahme werden Chemotherapeutika wie das Mitomycin in die Harnblase verabreicht um ein Wiederauftreten des Karzinoms (Rezidiv) zu verhindern. Eventuell ist innerhalb einiger Wochen eine Wiederholung dieses Eingriffs erforderlich (Nachresektion). Es ist davon auszugehen, dass Rezidive bei 60 bis 80% der oberflächlichen Karzinome auftreten.

Radikale Therapie

Bei einem örtlich fortgeschrittenen Karzinom ohne nachgewiesene Metastasierung wird in der Regel die Harnblase mit Anteilen der Harnleiter und den Beckenlymphknoten entfernt, was als radikale Zystektomie mit pelviner Lymphadenektomie bezeichnet wird. Bei dem Mann beinhaltet der Eingriff ebenfalls die Entfernung der Prostata und Samenblase, bei der Frau hingegen die vordere Wand der Vagina, die Eierstöcke, Gebärmutter und bei beiden Geschlechtern ggf. die Harnröhre. Nach der Operation kann eine systemische, d.h. den gesamten Organismus betreffende, Chemotherapie (Gemcitabin, Cisplatin) erfolgen. Bei einem zu hohen Operationsrisiko stellt eine TUR-B in Kombination mit einer Radiochemiotherapie möglicherweise eine Alternative dar.

Palliativmaßnahmen

Falls eine vollständige Heilung nicht möglich zu sein scheint, können palliative Maßnahmen mit dem Ziel der Verbesserung der Lebensqualität angestrebt werden. Zu den Maßnahmen zählen in erster Linie u.a. eine Chemotherapie mit Cisplatin, sowie eine Entfernung der Harnblase (Zystektomie) und eine operative Ableitung des Harns.

Nachsorge

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind unerlässlich. Dabei können unter anderem aufgetretene Funktionsstörungen wahrgenommen und gezielt behandelt werden. Nach einem radikalen Eingriff besteht z.B. die Möglichkeit, dass ein ungewollter Urinverlust (Harninkontinenz) geäußert wird. Falls diese Beschwerden auftreten, kann hier mit einer Ableitung des Urins, beispielsweise mithilfe eines sog. Ileumkonduits, entgegengewirkt werden.

Wie ist die Überlebenschance?

Die Überlebenswahrscheinlichkeit lässt sich an der 5-Jahres-Überlebensrate ablesen. Dies entspricht einer Prozentangabe der Patienten, die fünf Jahre nach der Diagnosestellung überleben. Je nach Stadium (von früh bis spät, d.h. I-IV) beträgt diese 75% (Stadium I), 50% (Stadium II), 25% (Stadium III) bzw. <5% (Stadium IV). Somit ergibt sich eine über alle Stadien gemittelte 5-Jahres-Überlebensrate von 50 bis 60%.

Was wird im Sinne einer Prävention empfohlen?

Ein Verzicht auf Nikotin, eine frühzeitige Behandlung von chronischen Harnwegsinfektionen und eine Verminderung der beruflichen Exposition gegenüber krebserregenden Stoffen (wie die aromatischen Amine) können sich als vorteilhaft für die Prävention eines Harnblasenkarzinoms erweisen.

Quellen

  • BASICS Urologie, Christoph Hammes, 5. Auflage (2022)
  • Basiswissen Urologie, Thomas Gasser, 7. Auflage (2019)
  • Urologie, Richard Hautmann, Jürgen E. Gschwend, 5. Auflage (2014)