Die Harnblase: Lage, Funktion, Beschwerden

Auf einen Blick

  • Die Harnblase befindet sich im kleinen Becken und ist Teil des Harntrakts. Ihre Größe ändert sich stetig in Abhängigkeit von der Urinmenge, die gespeichert wird, und die maximale Ausdehnung ist abhängig von Körpergröße und Geschlecht.
  • Dank einer koordinierten Abfolge von An- und Entspannung der Harnblasenmuskeln kann die Speicherung und der Transport des Urins weiter in Richtung Harnröhre ermöglicht werden.
  • Zu den Krankheitsbildern, die die Funktion der Harnblase beeinträchtigen können, zählen: Blasenentzündung, Harninkontinenz, Überaktive Blase, Interstitielle Blasenentzündung, Harnblasenkrebs, Blasensteine.

 

Wo liegt die Harnblase?

Die Harnblase entspricht einem dehnbaren Muskelsack und befindet sich im kleinen Becken hinter dem Schambein. Das Organ ist Teil des Harntrakts, was bedeutet, dass der Urin, welcher in den Nieren produziert wird, über die Harnleiter in die Harnblase gelangt und anschließend über die Harnröhre den Körper verlässt.

Wo liegt die Harnblase?

Wie groß ist die Harnblase?

Die Größe der Harnblase ändert sich in Abhängigkeit vom Füllungszustand. Wenn sie leer ist, hat sie ungefähr die Größe und Form einer Birne. Falls es zu einer übermäßig starken Füllung kommt, kann sie theoretisch bis hin zum Bauchnabel getastet werden. Bei einem normalen Erwachsenen beträgt das Fassungsvermögen einer Harnblase ca. 400-500 ml, wobei die Obergrenze von Körpergröße und Geschlecht abhängig ist.

Welche Funktion hat die Harnblase?

Die Harnblase dient der Zwischenspeicherung und dem Transport des Urins. Durch eine kontrollierte Abfolge von An- und Entspannung der Harnblasenmuskeln kann der Urin, welcher ununterbrochen über die Harnleiter zufließt, innerhalb der Harnblase gesammelt und bei entsprechenden (un-)bewusst abgegebenen Signalen weiter in die Harnröhre transportiert werden. Damit dies passiert, muss zunächst eine Veränderung des Füllungsgrads der Harnblase an Rückenmark und Gehirn übermittelt werden. Von hier aus werden wiederum Signale an die Muskeln der Harnblase entsendet, die durch die Erhöhung des Drucks innerhalb der Harnblase, das Zuschnüren des Zuflusses über die Harnleiter und eine Erweiterung der Öffnung in Richtung Harnröhre das Wasserlassen vorbereiten. Ab diesem Moment kann eine gewollte Abgabe des Urins ermöglicht werden – denn damit der Weg in Richtung Harnröhre endgültig freigegeben ist, muss eine bewusste, d.h. eigenständig kontrollierbare, Erschlaffung des äußeren Schließmuskels erfolgen. Idealerweise kommt es dabei zu einer vollständigen Entleerung, sodass nach dem Wasserlassen kein Urin mehr in der Harnblase verbleibt.

Welche Erkrankungen der Harnblase gibt es?

Mann muss zur Toilette

Viele Erkrankungen können Ihre Harnblase beeinträchtigen. Dazu zählen:

  • Blasenentzündung (Zystitis): entspricht einem entzündlichen Zustand der Harnblase, welcher am häufigsten durch Bakterien bedingt ist. Frauen sind öfter betroffen, da die Harnröhre natürlicherweise kürzer ist als bei Männern und auf diese Art und Weise Infektionen begünstigen kann. In der klassischen Ausprägung äußert sich eine Blasenentzündung über gehäuftes Wasserlassen (Pollakisurie) in Verbindung mit Schmerzen (Algurie), sowie übermäßigem Harndrang.
  • Harninkontinenz: bezeichnet einen unkontrollierten Harnverlust, dessen Häufigkeit mit steigendem Alter zunimmt. Dies kommt dadurch zustande, dass der Verschlussapparat der Harnblase überlastet oder geschädigt ist. Auch hier sind Frauen häufiger betroffen als Männer.
  • Überaktive Blase (Reizblase): beschreibt einen Zustand, in dem intensiver Harndrang schon bei geringen Füllmengen der Harnblase auftritt und somit zu häufigem Wasserlassen und eventuell unkontrolliertem Harnverlust führt. Die zugrundeliegende Ursache ist ungewiss. Diese Diagnose kann erst gestellt werden, wenn sichergestellt ist, dass sämtliche körperliche Ursachen ausgeschlossen wurden.
  • Interstitielle Blasenentzündung (Interstitielle Zystitis): ist eine chronische Entzündung der Harnblasenwand ohne Nachweis von Bakterien im Urin. Dieses Krankheitsbild betrifft Frauen, Männer, wie auch Kinder und ist gekennzeichnet durch häufiges, dringendes und mit Schmerzen verbundenes Wasserlassen, welches Tag und Nacht (Nykturie) auftritt und zu unkontrolliertem Harnverlust führen kann. Auch hier sind die genauen Ursachen ungeklärt. Die Prognose ist bei dieser Erkrankung ungünstig.
  • Harnblasenkrebs (Harnblasenkarzinom): charakterisiert eine bösartige Neubildung, welche die Harnblasenwand befällt. Männer sind etwa viermal häufiger betroffen als Frauen. In der Regel verursacht der Tumor lange keine Symptome und so liegt häufig, ohne Anzeichen auf begleitende Beschwerden, allein Blut im Urin (Hämaturie) vor.
  • Blasensteine (Zystolithiasis): können größenabhängig keine bzw. unterschiedliche Symptome hervorrufen. Zum einen kann es im Rahmen von Blasensteinen zu erschwertem/schmerzhaftem Wasserlassen und/oder Blut im Urin kommen. Zum anderen kann durch die Blockierung des Blasensteins ein Harnaufstau ausgelöst werden, welcher zugleich die Nieren schwerwiegend beeinträchtigen könnte.

Quellen

  • Basiswissen Urologie, Thomas Gasser, 7. Auflage (2019)
  • BASICS Urologie, Christoph Hammes, 5. Auflage (2022)
  • Urologie, Richard Hautmann, Jürgen E. Gschwend, 5. Auflage (2014)