Nächtlicher Harndrang (Nykturie): Ursachen und Behandlung

Wichtig zu wissen:
  • Nächtlicher Harndrang (auch: Nykturie) ist auffällig, wenn der Schlaf mindestens zweimal durch einen plötzlichen Harndrang unterbrochen wird. Ursächlich können z.B. neben psychischen Faktoren, einer erhöhten Flüssigkeitszufuhr oder der Einnahme von Diuretika auch körperliche Ursachen wie ein Abflusshindernis unterhalb der Harnblase, eine vermehrte Produktion an Urin oder auch eine verminderte Blasenkapazität sein.
  • Über die Behandlung der zugrundeliegenden Ursache und eine Anpassung des Lebensstils (z.B. Verminderung der Trinkmenge, Verzicht auf Kaffee und Alkohol, Blasentraining) hinaus kann eine medikamentöse Therapie in Form eines Anticholinergikums oder dem Desmopressin infrage kommen.

 

Nächtlicher Harndrang - Mann kann nicht schlafen

Nächtlicher Harndrang wird in der Fachsprache als Nykturie bezeichnet und führt zu gehäuftem nächtlichen Wasserlassen, welches plötzlich hervorgerufen wird und mit meist kleinen Portionen an Urin einhergeht. Auffällig ist, wenn der Schlaf durch den Gang zur Toilette mindestens zweimal unterbrochen wird. Dabei wird die Harnblase in einen gereizten Zustand versetzt und die Schwelle für das Empfinden eines Harndrangs, welcher über den Anspannungszustand der Blasenmuskulatur vermittelt wird, herabgesetzt. Frauen und Männer sind ähnlich häufig betroffen.

Welche Ursachen kommen bei einem nächtlichen Harndrang infrage?

Nächtlicher Harndrang - Frau kann nicht schlafen

Mehrere Ursachen können zusammenkommen und sich gegenseitig beeinflussen. Über die körperlichen Ursachen hinaus ist auch der Einfluss psychischer Bedingungen (Ängste, Stress) nicht zu unterschätzen.

Nächtlicher Harndrang kann z.B. bei einer übermäßigen Produktion an Urin (Polyurie) im Falle einer vermehrten Zufuhr von Flüssigkeiten vor dem Schlaf hervorgerufen werden, insbesondere wenn es sich um harntreibende Getränke wie Kaffee und Alkohol handelt. Eine vermehrte Urinbildung kann sich ebenfalls im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft oder Allgemeinerkrankungen wie Diabetes mellitus, Nieren- (Niereninsuffizienz) und Herzschwäche (Herzinsuffizienz) zeigen. Zudem kann die Beschwerde im Rahmen der Einnahme von Medikamenten vorkommen, wie im Falle der Behandlung mit Diuretika.

Abgesehen davon kann nächtlicher Harndrang durch ein Problem bei der Ableitung des Harns über die Harnwege entstehen. Typischerweise tritt dies bei einer Verengung unterhalb der Harnblase auf (sog. subvesikale Obstruktion), die z.B. durch eine beginnende Vergrößerung der Prostata (Prostatahyperplasie), wiederkehrende Entzündungen der Harnröhre (Urethritis), Strahlenbelastung oder Verletzungen der ableitenden Harnwege bedingt sein kann. Da eine Abflussbehinderung vorliegt, kann sich dies zusätzlich über einen verzögerten Beginn beim Wasserlassen, einen abgeschwächten Harnstrahl, und die Entleerung kleiner Urinportionen (Pollakisurie) bemerkbar machen. Hierbei kann das Gefühl entstehen, dass die Harnblase nicht vollständig entleert werden kann (sog. Restharnbildung).

Außerdem kommt eine Blasenentzündung (Zystitis) als Ursache infrage. Sie entspricht einem entzündlichen Zustand der Harnblase, welcher am häufigsten bakteriell bedingt ist. Klassischerweise äußert sich eine Blasenentzündung neben dem extremen Harndrang über gehäuftes Wasserlassen in Verbindung mit Schmerzen (Algurie). Falls eine chronische Entzündung der Harnblasenwand ohne Nachweis von Bakterien im Urin festgestellt wird, spricht man von einer interstitiellen Zystitis. Dabei tritt häufiges, dringendes und mit Schmerzen oder Brennen verbundenes Wasserlassen Tag und Nacht auf und kann zu unkontrolliertem Harnverlust (Harninkontinenz) führen. Die Ursache ist dabei ungewiss.

Des Weiteren führt eine überaktive Blase (auch: Reizblase), zu nächtlichem Harndrang bei kleinen Harnmengen. In diesem Zuge tritt intensiver Harndrang schon bei geringen Füllmengen der Harnblase auf und kann auch mit einem ungewollten Urinverlust einhergehen. Die zugrundeliegende Ursache ist unbekannt.

Außerdem kann ein sog. Hyperaldosteronismus die genannten Beschwerden hervorrufen. Dabei kommt es durch eine erhöhte Produktion des Hormons Aldosteron meist zu einer Nykturie in Kombination mit Bluthochdruck und einem Kaliummangel.

Schließlich kann eine Nykturie auch in Verbindung mit unterschiedlichen Formen der Harninkontinenz auftreten, wobei das Gefühl eines Harndrangs bei der Drang-, Misch- und der kindlichen Harninkontinenz festzustellen sind.

Wie kann die Harnblase untersucht werden?

Jeder Untersuchung geht eine medizinische Befragung voraus. Ein besonderes Augenmerk wird in diesem Fall darauf gelegt, seit wann und wie oft die Beschwerden bestehen, wieviel Wasser gelassen wird, ob weitere Erkrankungen vorliegen und welche Medikamente (auch bei Bedarf) eingenommen werden. Im Rahmen der körperlichen Untersuchung kann die Harnblase über die Bauchdecke getastet, d.h. palpiert, werden. Bei Verdacht auf einen entzündlichen Zustand kann eine Urinprobe und/oder Blutentnahme notwendig sein. Das Organ kann über eine Ultraschalluntersuchung oder endoskopisch in einer Blasenspiegelung (Zystoskopie) eingesehen werden. Auch eine Miktionszystourethrografie kann während des Wasserlassens nach einer Kontrastmittelgabe erfolgen. Darüber hinaus kann im Rahmen von urodynamischen Untersuchungen beispielsweise die Aktivität der Blasenmuskulatur beurteilt werden.

Was hilft bei nächtlichem Harndrang?

Allgemein sollten regelmäßige Verlaufskontrollen eingehalten werden, damit voranschreitende Beschwerden frühestmöglich aufgedeckt und behandelt werden. In erster Linie ist die Behandlung der jeweiligen Grunderkrankung wichtig. So kann z.B. eine Verengung aufgehoben werden indem über einen operativen Einschnitt eine Erweiterung der Harnröhre erreicht wird. Hilfreich sind bereits minimale Lebensstiländerungen wie z.B. die Vermeidung von Stress, Reduzierung des Körpergewichts, Blasentraining und eine Verminderung der Trinkmenge am späten Abend. Dabei ist darauf zu achten, dass die allgemein empfohlene Trinkmenge von 1.5 Litern eingehalten werden sollte. Der Verzicht auf Kaffee und Alkohol ist ebenfalls empfehlenswert. Zudem kann eine Anpassung der Medikamenteneinnahme nach ärztlicher Rücksprache in Betracht gezogen werden.

Medikamente

Nächtlicher Harndrang Schlafmaske und Wecker

Unter engmaschiger ärztlicher Betreuung kann es zu einer Verschreibung von Anticholinergika oder dem antidiuretischen Hormon (Desmopressin) kommen. Dadurch kann eine Verminderung der Häufigkeit des nächtlichen Wasserlassens erzielt werden, was mit einer bedeutenden Erhöhung der Lebensqualität verbunden ist.

Quellen

  • Heppner, H.J. Was ist bei Nykturie zu tun?. MMW – Fortschritte der Medizin 162, 22–24 (2020). https://doi.org/10.1007/s15006-020-0141-4
  • BASICS Urologie, Christoph Hammes, 5. Auflage (2022)
  • Basiswissen Urologie, Thomas Gasser, 7. Auflage (2019)
  • Urologie, Richard Hautmann, Jürgen E. Gschwend, 5. Auflage (2014)