Erektionsstörung: Definition, Ursachen und Behandlung

Auf einen Blick

  • Eine Erektionsstörung beschreibt eine seit mindestens einem halben Jahr fehlende oder gestörte Erektion als Reaktion auf eine sexuelle Erregung.
  • Die Anzahl der Betroffenen steigt mit zunehmendem Alter. In Abhängigkeit vom Lebensabschnitt kommen psychische oder körperliche Ursachen in Frage, die sich gegenseitig beeinflussen können.
  • Eine ausführliche Befragung zu der medizinischen Vorgeschichte und eine gezielte körperliche Untersuchung kann Aufschluss über die zugrundeliegende Ursache geben. Zusätzliche Untersuchungen (z.B. Blutnentnahme, Phallografie) werden in Abhängigkeit von den Beschwerden eingeleitet.
  • Zuallererst sollte der Auslöser behandelt und eine Beseitigung von Risikofaktoren angestrebt werden. Daneben stehen Erektionshilfen, medikamentöse Ansätze oder im äußersten Fall auch operative Maßnahmen zur Verfügung.

Unter einer Erektionsstörung versteht man, dass als Reaktion auf eine sexuelle Erregung die Versteifung des Penis ausbleibt oder unzureichend für den Geschlechtsverkehr ist. Diese Diagnose kann in Betracht gezogen werden wenn die Beschwerden seit mindestens sechs Monaten vorliegen.

Mann muss dringend zur Toilette

Wer ist von einer Erektionsstörung betroffen?

Eine Erektionsstörung erfahren viele Männer sowohl im jungen, als auch im höheren Alter, wobei die Betroffenheit mit zunehmendem Alter steigt. Um die allgemeine Relevanz dieser Erkrankung zu verdeutlichen, wurde in einer Fallstudie in Großbritannien unter der Leitung von I.A. Ayta die Vermutung aufgestellt, dass bis 2025 insgesamt 322 Millionen Männer weltweit von einer Erektionsstörung betroffen sein werden. Dies würde einem Anstieg von etwa 170 Millionen Betroffenen im Vergleich zu den Daten aus dem Jahr 1995 entsprechen. Bei allen Zahlen zu beachten ist, dass Erektionsstörungen unterdiagnostiziert sind, da nur wenige Patienten medizinischen Rat einholen und auf ärztlicher Seite möglicherweise nicht oft genug nach dem Sexualleben gefragt wird.

Wodurch kann eine Erektionsstörung bedingt sein?

Psychische Ursachen

Vor allem jüngere Männer berichten gehäuft von psychischen Ursachen wie (Versagens-)Ängsten, Konfliktsituationen und Stress. Die Annahme einer rein psychischen Ursache kann allerdings nur nach dem Ausschluss möglicher körperlicher Ursachen erfolgen.

Körperliche Ursachen

Bei älteren Männern hingegen liegt den Beschwerden größtenteils eine körperliche Ursache zugrunde. Hiervon können eine oder mehrere gleichzeitig, eventuell auch in Kombination mit psychischen Ursachen, vorliegen. Mögliche mit der Erektionsstörung einhergehende Diagnosen wären beispielsweise Durchblutungsstörungen im Rahmen von Bluthochdruck oder einer bekannten Arteriosklerose, Störungen des Nervensystems wie z.B. bei der Multiplen Sklerose, Operations- oder Verletzungsfolgen, sowie hormonelle Störungen, zu denen unter anderem die Krankheitsbilder Diabetes mellitus, Testosteronmangel und Prolaktinom gezählt werden.

Weitere begünstigende Faktoren

Mann trink was und muss zur Toilette

Das Risiko des Auftretens einer Erektionsstörung kann durch bestimmte Lebensgewohnheiten beeinflusst werden. So geht z.B. der übermäßige Konsum von Nikotin und Alkohol, wie auch der Genuss von Drogen (z.B. Kokain, Amphetamine) mit einem höheren Risiko für eine Erektionsstörung einher. Derselbe Effekt kann bei der Einnahme bestimmter Medikamente beobachtet werden, welche vermutlich bis zu einem Viertel aller Erektionsstörungen mitbeeinflussen. Dazu zählen z.B. Tranquilizer, Antidepressiva und Antihypertensiva.

Wie erkennt man eine Erektionsstörung?

Eine erste Einschätzung erfolgt mithilfe einer ausführlichen medizinischen Befragung. Dabei wird abgeklärt, welche Vorerkrankungen, Kinder- und Geschlechtskrankheiten bekannt sind, ob Medikamente (auch bei Bedarf) eingenommen werden und wie das psychische und soziale Wohlbefinden, unter anderem mit Bezug auf eine bestehende Partnerschaft, ist. Im Anschluss kann eine Untersuchung der Geschlechtsorgane notwendig sein, welche möglicherweise auf eine gezielte oder vollständige körperliche Untersuchung erweitert wird. In Abhängigkeit von den Ergebnissen dieser ersten Schritte können weitere Untersuchungen zum Ausschluss einer körperlichen Ursache eingeleitet werden. Beispielsweise kann eine Blutentnahme Auskunft über den Hormonstatus (Testosteron, Sexualhormon-bindendes Globulin, LH, FSH, Prolaktin) und vorliegende Stoffwechselstörungen (Blutzucker, Blutfettwerte) geben. Außerdem besteht die Möglichkeit in einer Untersuchung im Schlaflabor, der sogenannten nächtlichen Tumeszenzmessung bzw. Phallografie, spontane nächtliche Erektionen zu messen.

Wie lässt sich eine Erektionsstörung behandeln?

Behandlung der zugrundeliegenden Ursache

Wenn eine spezifische Ursache diagnostiziert wurde, bietet es sich an diese gezielt zu behandeln um die Beschwerden zu lindern. So kann beispielsweise ein vorhandener Testosteronmangel durch die Gabe von Testosteron ausgeglichen werden. Eine Einstellung von Blutdruck-, Blutzucker- und/oder Blutfettwerten im Rahmen von Stoffwechselstörungen und Gefäßerkrankungen kann dazu beitragen, dass die Kontrolle über die Erkrankung gewonnen wird. Außerdem ist eine psychotherapeutische Betreuung im Falle einer vorliegenden psychischen Komponente empfehlenswert.

Beseitigung von Risikofaktoren

Obst und Gemüse

Im Allgemeinen ist es ratsam, den Lebensstil anzupassen. An dieser Stelle ist nicht nur körperliches Training im Sinne einer allgemeinen Aktivitätssteigerung mit eventuellem Gewichtsverlust vielversprechend, sondern auch eine ausgewogene Ernährung und eine Verminderung bzw. der Verzicht auf Alkohol, Nikotin und Drogen. Für den Fall, dass eine Beeinflussung der Beschwerden durch die Einnahme von Medikamenten vermutet wird, bietet sich nach ärztlicher Rücksprache möglicherweise ein Substanzwechsel oder eine Dosisverminderung an.

Erektionshilfen

Eine unterstützende Maßnahme stellt der Penisring, eventuell in Kombination mit einer Penispumpe dar. Für den Fall, dass eine Erektion bei sexueller Erregung nicht herbeigeführt werden kann, bietet sich die Verwendung der Penispumpe an. Diese löst eine Versteifung des Glieds über die Erzeugung eines Unterdrucks aus. In dem Fall, dass eine Erektion nicht ausreichend bestehen bleibt, wirkt ein Penisring über die Verhinderung des Blutrückflusses stabilisierend.

Medikamentöse Unterstützung

Pillen gegen Erektionsstörung

Die Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung sollte vor der Verschreibung sorgfältig geprüft werden. Dabei zur Verfügung stehen zum einen Phosphodiesterase-V-Hemmer (wie Sildenafil, Vardenafil, Tadalafil), welche das Herbeiführen einer Erektion als Reaktion auf eine sexuelle Erregung erleichtern. Zum anderen ist eine sogenannte Schwellkörper-Autoinjektionstherapie für die Behandlung einer Erektionsstörung geeignet. Dabei werden Medikamente wie das Prostaglandin E1 oder Papaverin von dem Patienten eigenhändig in den Schwellkörper gespritzt und können eine Erektion herbeiführen auch ohne, dass hierfür eine sexuelle Erregung vorliegen muss.

Operative Maßnahmen

Falls alle bereits genannten Maßnahmen nicht greifen, können operative Methoden zum Einsatz kommen. So kann zum Beispiel die Funktion des Schwellkörpers und damit das Auslösen einer Erektion von einer Penisprothese übernommen werden. In Ausnahmefällen können auch gefäßchirurgische Maßnahmen infrage kommen.

Quellen

  • Basiswissen Urologie, Thomas Gasser, 7. Auflage (2019)
  • BASICS Urologie, Christoph Hammes, 5. Auflage (2022)
  • Urologie, Richard Hautmann, Jürgen E. Gschwend, 5. Auflage (2014)