Gehörgangsentzündung: Alles, was Sie wissen müssen

Gehörgangsentzündungen, medizinisch als Otitis externa bekannt, sind eine häufige und oft schmerzhafte Erkrankung, die den äußeren Gehörgang betrifft. In diesem Artikel erfahren Sie alles Wichtige über diese Erkrankung, von den Grundlagen des Gehörgangs über die verschiedenen Arten und Ursachen der Entzündung bis hin zu Diagnose, Behandlung und Prävention.

Auf einen Blick

  • Definition: Eine Entzündung des äußeren Gehörgangs, oft durch Bakterien oder Pilze verursacht.
  • Häufigkeit: Betrifft etwa 10% der Menschen mindestens einmal im Leben.
  • Symptome: Schmerzen, Juckreiz, Rötung, Schwellung, Ausfluss und manchmal Hörverlust.
  • Risikofaktoren: Schwimmen, Feuchtigkeit im Ohr, Trauma, Hauterkrankungen wie Ekzeme.
  • Diagnose: Klinische Untersuchung, manchmal Kulturen oder weitere Tests.
  • Behandlung: Meist topische Antibiotika oder Antimykotika, Schmerzmittel, manchmal orale Medikamente.
  • Prävention: Vermeidung von Feuchtigkeit im Ohr, vorsichtige Reinigung, Schutz vor Verletzungen.
  • Komplikationen: Chronische Entzündung, Gehörgangsverengung, selten schwerwiegendere Infektionen.

Gehörgangsentzündung

Was ist der Gehörgang und wie ist er aufgebaut?

Der Gehörgang ist ein schmaler Kanal, der das äußere Ohr mit dem Trommelfell verbindet. Er ist mit Haut ausgekleidet, die Haarfollikel und Drüsen enthält, die Ohrenschmalz produzieren. Dieses Ohrenschmalz hat eine schützende Funktion, indem es Schmutz und Mikroorganismen abfängt und den pH-Wert im Ohr reguliert. Die Haut des Gehörgangs ist sehr empfindlich und kann leicht verletzt werden, was zu Entzündungen führen kann. Der Gehörgang ist auch anfällig für Feuchtigkeitseinwirkung, was das Wachstum von Bakterien und Pilzen begünstigt. Eine gesunde Gehörgangshaut ist wichtig, um Infektionen und Entzündungen vorzubeugen.

Was ist eine Gehörgangsentzündung?

Eine Gehörgangsentzündung ist eine Entzündung des äußeren Gehörgangs, die meist durch Bakterien oder Pilze verursacht wird. Sie kann akut oder chronisch sein und wird oft durch Feuchtigkeit im Ohr (z.B. nach dem Schwimmen) begünstigt. Die Entzündung kann sich auf den gesamten Gehörgang ausbreiten und in schweren Fällen auch das Trommelfell erreichen. Die Symptome einer Gehörgangsentzündung variieren je nach Schweregrad, können aber erhebliche Schmerzen und Unbehagen verursachen. In einigen Fällen kann die Entzündung auch zu einer vorübergehenden Hörbeeinträchtigung führen.

Welche Arten gibt es?

Es gibt zwei Hauptarten der Gehörgangsentzündung: die akute und die chronische Form. Die akute Form dauert weniger als sechs Wochen und ist meist durch eine bakterielle Infektion verursacht. Die chronische Form dauert länger als drei Monate und kann durch anhaltende Feuchtigkeit, Hauterkrankungen oder wiederholte Infektionen verursacht werden. Chronische Gehörgangsentzündungen können zu dauerhaften Veränderungen im Gehörgang führen, wie einer Verdickung der Haut oder einer Verengung des Kanals. Diese Formen erfordern oft eine langfristige Behandlung und sorgfältige Überwachung.

Wie häufig kommen Gehörgangsentzündungen vor?

Gehörgangsentzündungen sind relativ häufig. Schätzungen zufolge erlebt etwa jeder Zehnte mindestens einmal im Leben eine solche Entzündung. Sie tritt häufiger in warmen Klimazonen und während der Sommermonate auf, wenn Menschen mehr Zeit im Wasser verbringen. Kinder und Erwachsene, die regelmäßig schwimmen oder Wassersport betreiben, sind besonders gefährdet. Auch Menschen mit bestimmten Hauterkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem können anfälliger für Gehörgangsentzündungen sein.

Was ist der Krankheitsverlauf einer Gehörgangsentzündung?

Der Verlauf kann variieren, beginnt aber typischerweise mit Juckreiz und leichtem Unbehagen, gefolgt von zunehmenden Schmerzen, Rötung und Schwellung. In schweren Fällen kann es zu Ausfluss aus dem Ohr und Hörverlust kommen. Die Symptome können sich schnell entwickeln und sind oft intensiv. Unbehandelt kann eine akute Gehörgangsentzündung in eine chronische Form übergehen, die wiederkehrende Symptome und langfristige Probleme verursachen kann. Die Behandlung zielt darauf ab, die Entzündung zu reduzieren, die Infektion zu bekämpfen und weitere Schäden am Gehörgang zu verhindern.

Wie entsteht sie?

Die Entstehung ist oft multifaktoriell. Häufige Ursachen sind das Eindringen von Wasser in den Gehörgang (z.B. beim Schwimmen), was zu einer Aufweichung der Haut und einem günstigen Milieu für Bakterien und Pilze führt. Auch Traumata durch Wattestäbchen oder das Tragen von Hörgeräten können eine Rolle spielen. Hauterkrankungen wie Ekzeme oder Psoriasis können ebenfalls zur Entwicklung einer Gehörgangsentzündung beitragen, indem sie die Haut im Gehörgang reizen und anfälliger für Infektionen machen. In einigen Fällen kann auch eine allergische Reaktion auf Produkte wie Haarspray oder Ohrstöpsel eine Entzündung auslösen.

Welche Symptome treten bei einer Gehörgangsentzündung auf?

Typische Symptome sind Ohrenschmerzen, die beim Kauen oder Ziehen am Ohr schlimmer werden, Juckreiz, Rötung und Schwellung des Gehörgangs, Ausfluss und manchmal vorübergehender Hörverlust. Die Schmerzen können sehr intensiv sein und sich bis in das Gesicht oder den Hals ausbreiten. In einigen Fällen kann es auch zu einer leichten Fieberreaktion kommen. Bei chronischen Gehörgangsentzündungen können die Symptome weniger ausgeprägt sein, aber länger anhalten und immer wieder auftreten.

Wann treten die ersten Anzeichen einer Gehörgangsentzündung auf?

Die ersten Anzeichen können unmittelbar nach einer Schädigung des Gehörgangs oder nach dem Schwimmen auftreten. Anfänglich sind es oft nur leichter Juckreiz und Unbehagen, die sich aber schnell zu stärkeren Schmerzen entwickeln können. Bei Menschen mit Hauterkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem können die Symptome schleichend beginnen und sich langsam verschlimmern. Es ist wichtig, auf die ersten Anzeichen zu achten und bei Verdacht auf eine Gehörgangsentzündung schnell zu handeln, um eine Verschlimmerung der Symptome zu verhindern.

Gehörgangsentzündung

Wie kann man sie früh erkennen? Was sind Risikofaktoren?

Früherkennung ist durch Aufmerksamkeit auf erste Symptome wie Juckreiz und leichte Schmerzen möglich.
Risikofaktoren sind häufiges Schwimmen, das Eindringen von Wasser in die Ohren, das Tragen von Hörgeräten oder Ohrstöpseln, Hauterkrankungen wie Ekzeme und Psoriasis sowie ein geschwächtes Immunsystem. Personen, die regelmäßig in kontaminiertem Wasser schwimmen oder die ihre Ohren häufig mit Wattestäbchen reinigen, haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko. Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung kann helfen, die Entwicklung einer schweren Infektion zu verhindern und die Heilung zu beschleunigen.

Eine Studie hat hervorgehoben, dass die Verwendung von Baumwolltupfern zur Reinigung des Ohrs die Hauptursache für Otitis externa bei Kindern ist und vermieden werden sollte.

Wie wird eine Gehörgangsentzündung diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine klinische Untersuchung des Ohres. Der Arzt wird das Ohr auf Rötung, Schwellung und Ausfluss untersuchen und kann einen Otoskop verwenden, um den Gehörgang und das Trommelfell genauer zu betrachten. Manchmal sind weitere Tests wie Kulturen oder bildgebende Verfahren wie eine MRT erforderlich, insbesondere bei komplizierten oder chronischen Fällen. In einigen Fällen kann auch eine Blutuntersuchung notwendig sein, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen oder um eine zugrunde liegende Erkrankung zu identifizieren, die das Risiko für eine Gehörgangsentzündung erhöhen könnte.

Welche Differenzialdiagnosen gibt es?

Differenzialdiagnosen umfassen Mittelohrentzündungen, Fremdkörper im Ohr, Hauterkrankungen wie Ekzeme oder Psoriasis im Ohrbereich und in seltenen Fällen auch Tumoren des Gehörgangs. Es ist wichtig, diese Bedingungen auszuschließen, da sie eine andere Behandlung erfordern können. Bei Kindern sollte insbesondere eine akute Mittelohrentzündung in Betracht gezogen werden, da diese häufiger vorkommt und ähnliche Symptome verursachen kann. Eine sorgfältige Untersuchung und Anamnese sind entscheidend, um die richtige Diagnose zu stellen.

Wie wird eine Gehörgangsentzündung therapiert?

Die Behandlung hängt von der Ursache und Schwere der Entzündung ab. Meist werden topische Antibiotika oder Antimykotika in Form von Ohrentropfen verwendet. Bei starken Schmerzen können auch Schmerzmittel erforderlich sein. In schweren oder chronischen Fällen können auch orale Medikamente oder eine spezielle Reinigung des Ohres durch einen Arzt notwendig sein. Bei bakteriellen Infektionen werden oft Antibiotika verschrieben, während bei Pilzinfektionen Antimykotika verwendet werden. In einigen Fällen können auch kortikosteroidhaltige Tropfen verschrieben werden, um die Entzündung und Schwellung zu reduzieren. Es ist wichtig, die Behandlung wie vorgeschrieben durchzuführen und den Gehörgang während der Behandlung trocken zu halten.

Eine Studie hat bewiesen, dass orales Ciprofloxacin (500 mg zweimal täglich für 7 bis 10 Tage) klinisch und mikrobiologisch wirksam und vergleichsweise sicherer als andere antimikrobielle Mittel zur Behandlung der externen bakteriellen Otitis ist.

Was sind Komplikationen einer Gehörgangsentzündung?

Mögliche Komplikationen sind die chronische Entzündung, Verengung des Gehörgangs und in seltenen Fällen schwerwiegendere Infektionen wie die nekrotisierende Otitis externa, insbesondere bei immungeschwächten Personen. Chronische Entzündungen können zu dauerhaften Veränderungen im Gehörgang führen, wie einer Verdickung der Haut oder einer Verengung des Kanals. In seltenen Fällen kann die Infektion auf das umliegende Gewebe übergreifen und zu schwerwiegenderen Komplikationen wie Knocheninfektionen oder Gesichtslähmungen führen. Eine frühzeitige und angemessene Behandlung ist entscheidend, um diese Komplikationen zu verhindern.

Welche Hausmittel können bei einer Gehörgangsentzündung helfen?

Hausmittel wie warme Kompressen können bei leichten Formen Linderung verschaffen. Es ist jedoch wichtig, keine Gegenstände in den Gehörgang einzuführen oder selbst Medikamente ohne ärztliche Anweisung anzuwenden. Hausmittel sollten nicht als Ersatz für eine professionelle medizinische Behandlung verwendet werden, insbesondere wenn die Symptome schwerwiegend sind oder sich verschlimmern. Eine angemessene Hygiene und Pflege des Ohres können helfen, das Risiko einer Gehörgangsentzündung zu verringern und die Heilung zu unterstützen.

Welche Prognose und Folgen hat eine Gehörgangsentzündung?

Die Prognose ist bei rechtzeitiger und angemessener Behandlung in der Regel gut. Unbehandelt oder bei chronischen Fällen kann es jedoch zu dauerhaften Schäden am Gehörgang und Hörverlust kommen. Die meisten Menschen erholen sich vollständig von einer akuten Gehörgangsentzündung.

Quellen

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  3. National Center for Biotechnology Information. Otitis Externa. Verfügbar unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK556055/
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