Diagnose Prostatakrebs: Abwarten oder therapieren?
Einige Männer stehen vor der schwierigen Entscheidung, ob sie eine Prostatakrebs Behandlung durchführen sollen oder einfach abwarten, ob sich der Krebs überhaupt ausbreitet.
„Einfach" ist diese Entscheidung nicht, da die Angst groß ist, den richtigen Zeitpunkt zum Eingreifen, zu verpassen.
Fakt ist, dass sehr viele Tumore unbehandelt bleiben können, weil der Patient daran nicht versterben würde. Dafür muss aber eindeutig herausgefiltert werden, bei welchen Patienten eine Prostatakrebs Behandlung nicht nötig ist.
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Verändertes Gewebe, deutlich sichtbar im MRT |
Aktive Überwachung (active surveillance)
Die Experten nennen die Taktik des Abwartens unter Kontrolle „active surveillance (aktive Überwachung)", da der Tumor ständig beobachtet wird. Das Ziel dieser Strategie ist es, diejenigen von einer Therapie und deren Nebenwirkungen auszunehmen, die von ihrem Tumor nie bedroht werden würden.
Die aktive Überwachung als niedrigste Stufe der Prostatakrebs Behandlung ist aber nur für Patienten geeignet, deren Tumor einen niedrigen Gleason Score aufweist, d.h. der Entartungsgrad/die Aggressivität des Tumors relativ niedrig ist. Zudem ist die Größe und Lage des Tumors entscheidend, denn wenn der Tumor nahe an der Kapsel liegt, ist ein gefährlicher Durchbruch wahrscheinlicher.
Diese Faktoren lassen sich aber sehr gut mittels MRT beurteilen. Mit speziellen Messungen wird die Prostata auf Tumorherde untersucht. Ausmaß und Lage lassen
sich damit millimetergenau bestimmen.
Wird anschließend bei einer gezielten, unter MRT-Steuerung durchgeführten Biopsie das verdächtige Gewebe entnommen und der Gleason Score bestimmt, liegen alle Vorraussetzungen für eine differenzierte Therapiewahl vor.
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Untersuchungsintervalle mit MRT
Ist der Gleason Score niedrig, der Tumor klein und die Lage des Tumors vorerst ungefährlich, kann die active surveillance eine sehr gute Alternative zur OP sein – ohne die eventuell drohenden Nebenwirkungen wie Impotenz und Inkontinenz. Der Tumor wird dann in regelmäßigen Intervallen mittels MRT untersucht und anhand der Bilder verglichen, ob eine Veränderung stattgefunden hat. Das MRT ist das derzeit beste bildgebende Verfahren zum Tumornachweis (Quelle: S3-Leitlinie-Prostatakarzinom, S. 35). Daher ist ein Vergleich anhand der Bilder sehr genau. Zudem wird der PSA-Wert bestimmt und eine eventuelle Veränderung bei der Beurteilung einbezogen.
Grundvoraussetzung für diese Form der Prostatakrebs Behandlung ist, dass der Patient keine Beschwerden hat.
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Schema für rektale Stanzbiopsie mit 12 Proben |
Die bisherige Praxis
Vielfach wird die Beurteilung, ob ein Patient für die aktive Überwachung geeignet ist, anhand anderer Kriterien entschieden: Mit der herkömmlichen
- rektalen Stanzbiopsie sowie der
- PSA-Messung.
Die rektale Stanzbiopsie hat den Nachteil, dass dabei Gewebe aus der Prostata entnommen wird, ohne zu wissen ob und wo überhaupt veränderte Gewebeherde liegen. Wird ein Tumor durch diese Maßnahme entdeckt, stehen die Ärzte vielfach vor der schwierigen Aufgabe zu beurteilen, wie die Ausmaße und die genaue Lage des Tumors zu beurteilen sind und ob noch weitere Tumore in der Prostata liegen, die vielleicht mit der „blinden" Biopsie nicht getroffen wurden. Schließlich gibt diese Biopsie, die nur anhand eines Schemas durchgeführt wird und nicht direkt Herde ansteuern kann, nur Information, aus welcher Region der Prostata das Gewebe stammt, aber nicht, ob vielleicht noch ein weiterer Herd existiert und wie groß der getroffene Tumor überhaupt ist und ob er nah an der Kapsel liegt.
Auch ist der Vergleich des Fortschreitens eines Tumors schwieriger, da der Tumor und damit auch eine Gewebeveränderung mit dem Ultraschall kaum dargestellt werden können. Der Arzt muss sich also auf die Aussage des PSA-Wertes und einer erneuten Biopsie verlassen, die allerdings eine Ausbreitung in Richtung Kapsel nicht aufzeigen kann.
Die Überlebenschancen bei aktiver Überwachung
Die aktive Überwachung als Sonderform der Prostatakrebs Behandlung ist eine echte Alternative zur OP, da die Überlebenschancen vergleichbar sind zu den Patienten, die sich einer Therapie unterziehen, obwohl der Tumor den Kriterien für eine Überwachung entspricht. In einer Studie mit 299 Männern hat sich der Tumor bei 65 Prozent der Patienten 8 Jahre nach der Diagnose nicht vergrößert. Bei 22 Prozent der Patienten wurde innerhalb von 8 Jahren ein Eingreifen notwendig. Die Überlebensrate lag demnach bei 99,3 Prozent. 12 Prozent der Patienten haben die Überwachung abgebrochen und sich einer Therapie unterzogen.
Mit den mittlerweile vorherrschenden, besseren Diagnose- und Überwachungsmöglichkeiten besteht eine noch größere Sicherheit für den Patienten. Eine genaue Untersuchung der Möglichkeiten nach der Prostatakrebsdiagnose ist daher in jedem Fall angeraten, um Übertherapierung und die Folgen dessen zu vermeiden.
„Watchful waiting"
Neben der aktiven Überwachung gibt es auch die Strategie des langfristigen Beobachtens (sog. „watchful waiting"), bei der nicht überwacht wird, sondern erst eingeschritten wird, wenn der Patient Beschwerden entwickelt. Da ein Prostatakarzinom oftmals keine Beschwerden verursacht und auch eine Verschlechterung nicht mit Beschwerden einhergeht, bevorzugen wir die aktive Überwachung.
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